Außen schlank – innen fett

von Dr. Monika Istrate

natur & heilen April 4/2025

Warum TOFIs meist unentdeckt bleiben

Der Body – Mass- Index (BMI) ist ein weitverbreiteter Indikator, der häufig zur Beurteilung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergrösse eingesetzt wird. Er wird berechnet , in dem das Gewicht einer Person in Kilogramm (kg) durch das Quadrat ihrer Körpergröße in Metern (m 2) geteilt wird. Dieser simple mathematische Ansatz ermöglicht eine schnelle Einteilung in Kategorien wie untergewichtig, normalgewichtig , übergewichtig und fettleibig, was eine grundlegende Orientierung bietet. Dennoch hat der BMI Schwächen. So unterscheidet er beispielsweise nicht zwischen Muskel- und Fettmasse, was aber entscheidend für die Bewertung der metabolischen Gesundheit ist. Insbesondere die TOFIs bleiben laut BMI Klassifikation unerkannt, denn das Phänomen betrifft gerade jene Personen, die einen normalen BMI (< 25 kg/m 2) aufweisen, aber dennoch eine erhöhte Ansammlung von viszeralem , inneren Fett haben. Das Besorgniserregende daran ist, dass die Betroffenen meist allein schon aufgrund ihres Normalgewichts glauben, gesund zu sein, während sie in Wirklichkeit einem erhöhten Risiko für metabolische Erkrankungen ausgesetzt sind. In der Tat konnte die finnische FINRISK Studie zeigen, dass Menschen, die normalgewichtig, jedoch metabolisch ungesund sind , medizinisch oft übersehen werden. Untersucht wurden 4786 Erwachsene im Alter von 25 bis 74 Jahren , um die Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Ernährung und dem TOFI- Phänomen zu analysieren. Die Ergebnisse offenbarten, das 10 % der Männer und 19 % der Frauen aus der gesamten Teilnehmergruppe zu den TOFIs zählten, was vor allem mit ungesunden Lebensmittel – und Ernährungsfaktoren verknüpft war. Das zeigt eindrücklich: Normalgewichtige mit schlechten Lebensgewohnheiten ( z.B ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel) können ähnliche Stoffwechselprobleme aufweisen wie Übergewichtige. Und das wiederum unterstreicht die Notwendigkeit, nicht nur auf das Gewicht, sondern vor allem auch auf das innere Fett zu achten um gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Diagnose versteckter Fettleibigkeit

Die Diagnose des TOFI – Syndroms erfordert eine Kombination aus körperlicher Untersuchung, bildgebender Verfahren , Blutuntersuchungen und einer gründlichen Anamnese.
Um das Risiko für inneres Organfett besser einschätzen zu können, sind weitere Methoden zur Beurteilung des Körperfetts erforderlich. Hierzu gehören u.a die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), die Dual Energy X-ray Absorptiometry (DXA)und die Magnetresonanztomografie (MRT)

Alle Verfahren liefern umfassende Informationen zur Fettverteilung im Körper und ermöglichen eine frühzeitige Identifizierung des TOFI- Syndroms. Zudem spielen Blutuntersuchungen eine entscheidende Rolle in der Diagnostik. So ist ein erhöhter HOMA – IR- Wert ( Homeostasis Model Assessment of Insulin Resistance) im nüchternen Zustand eine wichtiger Hinweis auf eine Insulinresistenz , was bedeutet, dass die Körperzellen nicht mehr richtig auf das Hormon Insulin reagieren und die Glucose- Aufnahme aus dem Blut vermindert ist. Zur genaueren Bewertung der Fähigkeit des Körpers , Glukose zu verarbeiten, dient zudem der orale Glukose – Toleranztest ( OGTT) als eine besonders präzise Methode zur Diagnose einer bestehenden Insulinresistenz.
Auch das Lipidprofil ist wichtig, um verstecktem Viszeralfett auf die Spur zu kommen: so ermöglicht die Analyse der Cholesterin- und Triglyceridspiegel u.a. das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zu beurteilen, was oft mit einer hohen Ansammlung an viszeralem Fett verbunden verbunden ist. Ferner spielen Entzündungsmarker eine Schlüsselrolle in der Diagnostik. Das C- reaktive Protein (CRP) zeigt erhöhte Entzündungslevel im Körper an und ist bei Personen mit einem großen Anteil an viszeralem Fett häufig erhöht .

Eine der häufig ergänzenden Methoden zur Identifikation des TOFI- Syndroms ist die Beobachtung der Körperform.
Menschen mit einer „Apfelform“ , die eine ausgeprägte Ansammlung von Fett im Bauchbereich im Verhältnis zu Hüfte und Taille aufweisen, haben tendenziell ein höheres Risiko für metabolische Erkrankungen. In diesem Zusammenhang stellt das Taille- Hüft-Verhältnis ( WHR) einen zuverlässigeren Indikator für das Risiko von Herz- Kreislauf- Erkrankungen und anderen metabolischen Erkrankungen dar als der Body-Mass-Index ( BMI) . Ein höherer Wert deutet darauf hin dass eine Person einen größeren Anteil an viszeralem Fett hat – bei Frauen betrifft dies Werte über 0,85, bei Männern Werte über 0,9.

Fortsetzung folgt.

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