Die Entwicklung des TOFI- Syndroms wird maßgeblich von Wechselwirkungen zwischen genetischer Präposition sowie Lebensstil und Verhaltensfaktoren beeinflusst. Menschen mit einer familiären Vorgeschichte von Übergewicht oder metabolischen Erkrankungen weisen leider auch eine höhere Anfälligkeit für das Ansammeln von viszeralem Organfett auf- selbst dann, wenn ihr Körpergewicht im normalen Bereich liegt. Noch entscheidender für die meisten Menschen ist jedoch der persönliche Lebensstil, und hier spielt allem voran körperlichen Inaktivität eine Schlüsselrolle.
Insbesondere ein sitzender Lebensstil ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Ansammlung von viszeralem Fett. Personen, die sich wenig bewegen, sind deutlich anfälliger für Stoffwechselstörungen, egal ob dick oder dünn.
Statistische Analysen zeigen, dass ein Erwachsener im Durchschnitt täglich lediglich 400 m zu Fuß zurücklegt, was etwa 5 Minuten körperlicher Aktivität pro Tag entspricht. Auch eine falsche Ernährung trägt maßgeblich zur Entstehung der TOFI- Problematik bei. Ein hoher Konsum von Kohlenhydraten aus Lebensmitteln wie Schokolade 🍫 , Kuchen 🍰 , Burgern 🍔, Laugenbrezeln , Keksen 🍪, Eis 🍧, kombiniert mit einer unzureichenden Zufuhr von Ballaststoffen aus Gemüse sowie zu wenig Eiweiß, führt zwangsläufig irgendwann zu einer ungesunden Fettansammlung. Vor allem die Kombination aus Zucker und Stärke fördert nicht nur eine allgemeine Gewichtszunahme, sondern begünstigt auch die Speicherung von innerem, viszeralem Fett.
Rauchen ist ein weiterer Risikofaktor. So konnte eine Studie von Carrasquilla et al. Aus dem Jahr 2024 zeigen, dass Raucher häufig eine Fettverteilung aufweisen, die durch eine erhöhte Ansammlung von Organfett gekennzeichnet ist. Zudem können schlechte Schlafgewohnheiten das Risiko für die Entstehung des TOFI- Syndroms erhöhen. Chronischer Schlafmangel beeinflusst Hormone, die den Appetit regulieren, und kann darüber zu einer erhöhten Neigung führen, eher zu kalorienreichen Lebensmitteln zu greifen. Ähnlich wirkt Stress , indem er das Verlangen nach ungesunden Lebensmitteln steigern und zu emotionalem Essen führen kann. Ferner zeigen Studien, dass Frauen nach der Menopause ein erhöhtes Risiko für die Ansammlung von viszeralem Fett aufweisen, was auf den natürlichen Rückgang des Östrogenspiegels zurückzuführen ist. Auch Veränderungen im Mikrobiom des Darms sind mit einer Anfälligkeit für mehr Organfett assoziiert, wobei insbesondere ein höherer Anteil der Bakteriengruppe Firmicutes und eine geringere Häufigkeit der Gruppe Bacteroidetes in Zusammenhang mit mehr Viszeralfett zu stehen scheint.
Auch die Einnahme von Antidepressiva sollten als Risikofaktoren in die Betrachtung miteinbezogen werden. Studien konnten zeigen, dass die Einnahme selektiver Seretonin- Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) mit mehr Organfett, einem verminderten Muskelvolumen und einer höheren Muskel- Fett- Infiltration assoziiert ist. Diese Veränderungen in der Körperzusammensetzung werden leider nicht durch den BMI oder das Gewicht erfasst!

Nachhaltige Präventionsstrategieen
Für die Prävention des TOFI- Syndroms ist es entscheidend, die Körperzusammensetzung, insbesondere die Fettverteilung, im Blick zu behalten. Wichtig ist ein integrativer Ansatz, der vor allem am persönlichen Lebensstil ansetzt und insbesondere auf die Ernährung fokussiert. Nahrungsmittel, die reich an Ballaststoffen, magerem Protein und gesunden Fetten sind, tragen aktiv dazu bei, die Ansammlung von viszeralem Fett zu reduzieren.
Studien belegen, dass eine Ernährung, die auf Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und fettarmen Eiweißen basiert, mit einem signifikant verringerten Risiko für Fettleibigkeit und deren Folgeerkrankungen einhergeht. Gleichzeitig sollte der Konsum von Zuckerhaltigen Getränken und stark verarbeiteten Lebensmitteln minimiert werden, da diese nicht nur zu einer erhöhten Kalorienzufuhr, sondern auch zu einer ungesunden Fettverteilung führen. Verarbeitetes Getreide wie Weißbrot und Süßigkeiten, die wenig Ballaststoffe enthalten, können ebenfalls zur Ansammlung von viszeralem Fett beitragen und sollten daher durch nährstoffreichere Alternativen ersetzt werden. Eine gezielte Ernährungsberatung ist sowohl für gefährdete als auch für von TOFI betroffene Menschen wertvoll. Fachkräfte können individuelle Ernährungspläne erstellen, die auf die spezifischen Bedürfnisse und gesundheitlichen Risikofaktoren abgestimmt sind. Des Weiteren ist die bereits angesprochene körperliche Aktivität ein Schlüsselbestandteil zur Vorbeugung des TOFI-Syndroms. Bereits kurze Unterbrechungen des Sitzens durch leichtes bis moderates Gehen senken die Glukose-und Insulinspiegel nach dem Essen nachweislich, können den Glukose-Metabolismus verbessern und als wichtige Strategie zur Senkung des kardiovaskulären Risikos dienen. Zudem hat sich eine Kombination aus Krafttraining und aeroben Übungen als effektiv erwiesen, um viszerales Fett zu reduzieren und die allgemeine Fitness zu verbessern. Die Empfehlung lautet, mindestens 150 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche zu integrieren und an mindestens 2 Tagen Muskelstärkung einzubauen.
Auch ein bewusster Umgang mit Stress ist von großer Bedeutung. Neben einem gesteigerten Verlangen nach ungesunden Lebensmitteln führt chronischer Stress zu einer erhöhten Produktion von Cortisol, einem Hormon, das die Ansammlung von viszeralem Fett begünstigt.
Zudem wird empfohlen, etwa 7 bis 9 Stunden Schlaf pro Nacht anzustreben und gesunde Schlafgewohnheiten zu pflegen.
Zu guter Letzt sind auch regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen unerlässlich, um potenzielle Risiken im Hinblick auf das TOFI—Phänomen frühzeitig zu erkennen. Dazu gehört die Überwachung von Körpergewicht, Taillenumfang und Blutwerten. Laut Anerican Heart Association sollten vor allem Blutdruck, Blutfettwerte und Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrolliert werden, insbesondere bei familiären Vorbelastungen.
Öffentliche Sensibilisierung und Aufklärung
Ein wesentlicher Aspekt in der Bekämpfung des TOFI- Syndroms ist die öffentliche Sensibilisierung der Bevölkerung für die Problematik inneren Organfetts und die Aufkärung über gesundheitliche Risiken, die mit einer ungünstigen Körperzusammensetzung verbunden sind. Hierfür sollte mit Schulen, Gemeinden und Gesundheitsorganisationen zusammengearbeitet werden, um Bildungsprogramme zu entwickeln, die nicht nur auf die Risiken des TOFI-Syndroms hinweisen, sondern auch praktische Tipps zur Verbesserung des Lebensstils geben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Zugang zu gesunden Lebensmitteln. Die Förderung lokaler Märkte und Gemeinschaftsgärten ist unerlässlich, um die Verfügbarkeit von frischen, nährstoffreichen Lebensmitteln zu erhöhen. zudem sollten Bewegungsprogramme für alle Altersgruppen zugänglich sein und auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen abgestimmt werden. Aktivitäten wie Gruppenfitnesskurse und Bewegungsunitiativen in Schulen und am Arbeitsplatz können Menschen dazu motivieren, insgesamt aktiver zu werden
Dr.Monica Istrate
Über die Autorin
Dr. Monica Istrate ist promovierte Wissenschaftlerin in Biochemie und Molekularbiologie sowie Ernährungsexpertin. Sie leitet das Zentrum für Gesundheit Dr. Istrate in Freising mit den Schwerpunkten Gesundheit, Ernährung und ganzheitliche Prävention
(www.dr-monica-istrate.de).
natur&heilen 4/2025
