Quelle: Adele Davis, Jeder kann gesund sein,
4. Auflage 1983, Orginaltitel: Lets eat right to keep fit
1970 by Harcourt Brace, Javanovich, Inc. New York
Ohne vollwertige Ernährung, besonders in Bezug auf Vitamin B6, sind dauerhaft gute Resultate nicht zu erwarten. Bei einem Patienten mit Epilepsie hat ein Arzt mit 25mg Vitamin B6 und einem ganzen Teelöffel Epsomsalz zu jeder Mahlzeit begonnen. Auch bei Schwangerschaftskrämpfen (Eklampsie scheinen Magnesium und Vitamin B6 von Nutzen zu sein. Früher hatten Eltern noch nicht solche Hemmungen. Damals gab es eine feste Regel, nach der man mit Kindern verfuhr: „Halte den Mund zu und die Leibwege offen.“ und Epsomsalz wurde beim ersten Anzeichen eines Schnupfens eßlöffelweise verteilt. Heute gestatten die Eltern es eher, daß ihre Kinder Krämpfe bekommen und sich immerfort in einem Zustand medikamentöser Vergiftung befinden, als dass sie der Kost ihrer Kinder ein wenig harmloses Magnesium beifügen. Sie können es nicht begreifen, dass die Ärzte zu überarbeitet sind, um die unzähligen neuen Forschungsergebnisse, die jedes Jahr publiziert werden, verwerten zu können. So werden zahllose intelligente, prächtige Menschen, die unter Epilepsie leiden, in unseren entwürdigenden Nervenkliniken buchstäblich gefangen gehalten und bekommen dort die minderwertigste Kost, die man sich nur denken kann. Unsere Ärzte geben noch immer Antibiotika und harntreibende Mittel, die das Vitamin B6 zerstören, die Magnesiumausscheidung durch den Urin verstärken. Auch fehlerhafte Säuglingsnahrung, wie sie leider auch von Kinderärzten empfohlen wird, kann Krämpfe herbeiführen.
Alle Körperzellen, nicht zuletzt die Gehirnzellen, brauchen Magnesium. Es wird bei der Proteinsynthese (die Herstellung von Proteinen in den Zellen von Lebewesen, basierend auf genetischen Informationen) benötigt, bei der Aufarbeitung von Fetten und Kohlenhydraten, und für hunderte von Enzymsystemen, besonders für diejenigen, die an der Energieproduktion beteiligt sind. Da die meisten dieser Enzyme auch Vitamin B 6 enthalten, welches nur dann gut absorbiert wird, wenn reichlich Magnesium vorhanden ist, kann es bei einem Mangel an Vitamin B6 oder an Magnesium zu denselben Krankheitserscheinungen kommen: Krämpfe, Zittern, Schlaflosigkeit, Nierensteine und viele andere Symptome.
Bei bestehendem Magnesiummangel gehen auch große Mengen Calcium mit dem Urin verloren, obwohl der Körper diese dringend benötigt. Genau das kann man bei Säuglingen beobachten. Milch, fertige Säuglingsnahrung und andere Kinderkost enthalten sehr wenig Magnesium, das das Kind infolge seiner hohen Calciumzufuhr um so mehr braucht . Kinderärzte, die nicht in Ernährungslehre ausgebildet sind, verschreiben kein zusätzliches Magnesium und erkennen die Mangelsymptome nicht. Folge davon ist die auffallende Lärmempfindlichkeit der Säuglinge, die an Schlaflosigkeit, Zittern und schmerzhaften Muskelkrämpfen leiden, unruhig werden und nicht selten in Krampfzustände geraten. Der fortwährende Calciumverlust trägt zu jener fehlerhaften Knochenstruktur bei, die man jetzt so oft, sogar schon bei kleinen Kindern, sieht. Infolge der Lärmempfindlichkeit bei Magnesiummangel wird ein solcher Säugling beim geringsten Geräusch wach. Da auch Kalium bei Magnesiummangel aus den Zellen entweicht, kann es bei den Kindern auch zu kolikartigen Bauchschmerzen kommen. Dabei lassen sich die Symptome des Magnesiummangels leicht verhüten oder beheben, wenn man der Flasche oder der Säuglingsnahrung nur 1$ Teelöffel Magnesiumsalz täglich zusetzt. Mit nur 500mg Epsomsalz können epilepsieartige Krämfe beim Säugling gestoppt werden.
Magnesiummangel als Ursache von Calciumverlust ist somit für den weitverbreiteten Zahnverfall, die gestörte Knochenentwicklung, Osteoporose und verzögerte Knochenheilung indirekt verantwortlich. Bei all diesen Erscheinungen sollte man unverzüglich Magnesium geben. In Gebieten, wo Boden und Wasser stark magnesiumhaltig sind, ist der Zahnverfall auffallend selten. Auch Knochenbrüche sind selbst bei Hochbetagten nicht häufig.
Der Calciumverlust spielt auch bei der Bildung von Nierensteinen eine Rolle. Nierensteine können infolge eines Mangels an Magnesium oder Vitamin B6 entstehen. Liegt nur Magnesiummangel vor, bestehen die Steine meist aus Calcium in Verbindung mit Phosphor. Bei Vitamin B6 – Mangel dagegen bilden sich Steine aus Salzen der Oxalsäure. Die Steinbildung scheint bei Zufuhr und Absorption dieser Wirkstoffe sofort zum stehen zu kommen. Sie setzt aber wieder ein, wenn die Ergänzungsstoffe nicht regelmäßig weiter verabreicht werden.
Die besten Magnesiumquellen sind Nüsse, Sojabohnen und gekochte, grüne Blattgemüse wie Spinat, Mangold und Grünkohl, vorausgesetzt, dass die Pflanzen ohne chemischen Dünger gewachsen sind und man das Kochwasser nicht weggeschüttet hat. Leider essen die meisten Menschen diese Gemüse sehr selten. Seeschnecken, die den höchsten Magnesiumgehalt aufweisen, können wohl kaum Appetit anregen.
Der Tagesbedarf an Magnesium beträgt offenbar laut DGE- Schätzwerten bei 24 mg (O bis unter 4 Monate) und steigt auf 80 mg (4 bis unter 12 Monate) an. Kinder (1-3 Jahre) ca 80 mg/Tag, (4 bis 8 Jahre) ca 130mg/Tag, (9-13Jahre) ca 240mg /Tag, Jugendliche (14-18 Jahre) Mädchen ca 360mg/Tag, Jungen 410mg/Tag, Diese Mengen sind kaum höher als die tägliche Ausscheidung im Urin, Kot und Schweiß. Selbst wenn man nur naturbelassende Nahrungsmittel isst, erhält man nur etwa 100 Milligram Magnesium pro 100 Kalorien, wovon die Hälfte wahrscheinlich noch nicht einmal absorbiert wird. Bei Bevölkerungsgruppen mit magnesiumreicher Kost sind Herzkrankheiten und Arteriosklerose extrem selten, die Zufuhr an Magnesium bei Erwachsenen beträgt dort täglich 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Der Bedarf an Magnesium verläuft proportional der Zufuhr von Calcium. Je mehr Calcium in der Nahrung enthalten ist, desto mehr Magnesium wird gebraucht. Wird nur Calcium zugeführt, kann ein Magnesiummangel entstehen . Es ist eine Erfahrungstatsache, dass Kälber, die nur Milch bekommen, an Magnesiummangel sterben. Bei reichlicher Calciumzufuhr wird der geringe Magnesiumgehalt der Milch im Urin ausgeschieden.
Analog dazu kann man durch Milchnahrung ohne Magnesiumzusatz bei einem Säugling Krämpfe erzeugen. Auf der anderen Seite können übergroße Mengen an Magnesium aber auch bewirken, daß kein Calcium absorbiert wird. Das optimale Verhältnis zwischen Calcium und Magnesium beträgt ca 2:1 bzw 500 mg Magnesium für je 1000 mg Calcium. Kinder und schwangere Frauen sowie Kranke und Genesende benötigen besonders viel Magnesium. Männer brauchen mehr als Frauen. Wenn man ein Calciumpräparat nimmt, muss man die Magnesiumzufuhr vergrößern. In Reformhäusern gibt es Tabletten in der richtigen Proportion, entweder aus magnesiumreichem Naturkalkstein (Dolomit) oder aus Knochenasche oder verschiedenen Calciumsalzen mit Zusatz von Magnesiumsalz, Magnesiumbikarbonat,-oxid,-chlorid und sulfat sind sämtlich mit Erfolg zum Ausgleich des Mangels angewendet worden. Einen viertel oder halben Teelöffel eines dieser Zusatzmittel, die 250 bis 500 mg Magnesium enthalten, kann mit Milch, oder Fruchtsaft vermischt geben. Es ändert sich dabei kaum der Geschmack, vorausgesetzt, dass man das Getränk sofort verbraucht. Magnesiumoxid neutralisiert die Salzsäure im Magen so vollständig, dass Personen mit Verdauungsschwierigkeiten davon abzuraten ist.
Wer gewohnheitsmässig Magnesiumprodukte als Abführmittel oder gegen Übersäuerung einnimmt, überschwemmt sich mit einem solchen Überschuss, dass Muskelschwäche, Lustlosigkeit, Schwerfälligkeit, Schläfrigkeit, Koordinationsstörungen und Sprachschwierigkeiten, Verlangsamung des Herzschlages Übelkeit, Erbrechen und sogar Bewusstlosigkeit entstehen können. In solchen Fällen muss Calcium zugegeben werden, wobei aber das Verhältnis zwischen beiden Mineralen stets sorgfältig ausgewogen sein sollte, von beiden weder zu viel noch zu wenig.
Da Magnesium so außerordentlich wichtig ist, sollte jeder, Männer, Frauen und Kinder, dieses Mineral ihrer Kost zugeben, falls man nicht das Glück hat, seine Nahrungsmittel ausschließlich von magnesiumreichen Böden ohne chemische Düngung zu beziehen. Der häufigste Grund, weswegen Ärzte, jährlich Millionen von Rezepten für Beruhigungsmittel ausstellen, besteht in der Nervosität, der schlechten Laune und Unruhe, die größtenteils auf eine fehlerhafte Ernährung und Magnesiummangel zurückzuführen sind. Eine Psychotherapeutin, die früher die meisten ihrer Patienten mit sogenannten Tranquilizern behandelt hatte, entdeckte später ihr Interesse an der Ernährungslehre. . Als sie durchgesetzt hatte, dass die von ihr behandelten Patienten einen speziell auf das richtige Verhältnis zwischen Magnesium und Calcium abgestimmten Ernährungsplan befolgten sei nicht nur der Verbrauch an Tranquilizern fast völlig zurück gegangen, sondern die Genesung mache viel schneller Fortschritte. Die Natur hat ihre eigenen Beruhigungsmittel…..

