Ernährung bei Niereninsuffizienz Teil 2

-Zu den Hauptaufgaben einer gesunden Niere gehört die Ausscheidung von harnpflichtigen Substanzen (Abfallstoffe) aus dem Eiweißstoffwechsel

-Die Nieren halten den Wasser und Salzhaushalt konstant, indem sie die Ausscheidung von Wasser und Mineralien (Natrium, Kalium und Phosphat) an die Ess- und Trinkgewohnheiten anpasst. Bleibt zu viel Natrium im Körper, führt das zu Wassereinlagerung im Gewebe. Zu viel Kalium kann,- wie oben erwähnt zu Herz-Kreislaufversagen führen.

-Die Nieren erfüllen wichtige regulierende Aufgaben im Knochenstoffwechsel und bei der Blutbildung.

Die Ernährung bei Niereninsuffizienz richtet sich grundsätzlich nach dem Stadium der Nierenerkrankung. Besonders wichtig wird eine Diättherapie wenn man sich vor oder in der Dialysebehandlung befindet. In jedem Fall sollte sich die Ernährung individuell dem Funktionsverlust der Niere anpassen. Sie verändert sich somit im Verlauf der Erkrankung.

Wenn eine Nierenerkrankung festgestellt wurde, geht es zunächst darum, ihr Fortschreiten mit der passenden Ernährung zu verlangsamen. Ziele und Nutzen einer nierenstarken Ernährung:

  • Vorbeugung bzw. Verlangsamung der Nierenerkrankung
  • Verbesserung des Knochenstoffwechsels durch Regulierung zugehöriger Laborwerte, wie Phosphor und Harnstoff
  • gesteigertes Wohlbefinden
  • optimaler Ernährungszustand
  • weniger Übelkeit und Erbrechen, beides Symptome der Urämie (Harnvergiftung)

Die tägliche Eiweißaufnahme sollte bei 0,6 – 1g pro kg Körpergewicht liegen. Das entspricht der Empfehlung für die allgemeine Öffentlichkeit. Pflanzliche Eiweiße mit einer hohen biologischen Wertigkeit sind dabei tierischen Eiweißen vorzuziehen. Vermeiden sollten Sie ein Übermaß an Eiweiß, Kalium, Natrium und Phosphat. Eine höhere Trinkmenge unterstützt die Entgiftung Ihres Körpers. Ihren Wasserhaushalt überprüfen Sie am besten mit täglichen Gewichtskontrollen. Zusätzlich wird eine Senkung des erhöhten Blutdrucks empfohlen.

WELCHE LEBENSMITTEL KANN ICH OHNE BEDENKEN ZU MIR NEHMEN?

Lebensmittel mit einer hohen biologischen Wertigkeit, z.B pflanzliche Eiweiße. Sie sind reich an notwendigen Aminosäuren. Empfehlenswerte Kombinationen sind z. B zwei Drittel pflanzliches Eiweiß aus Kartoffeln, Reis oder Soja und ein Drittel tierisches Eiweiß aus Rindfleisch oder Fisch. Damit sorgt man für eine geringere Übersäuerung und auch die Gefahr von zu hohen Phosphatwerten, die den Knochenstoffwechsel ungünstig beeinflussen und zu Gefäßverkalkungen führen. Bei Backwaren sollte man zu Roggenmehl statt Weizenmehl greifen greifen. Obst und Gemüse sollte man mit Bedacht wählen, um nicht mit dem Kaliumgehalt in den einzelnen Sorten in Gefahr zu geraten.

Im Allgemeinen gilt der Verzehr von Obst und Gemüse (aus biologischem Anbau!) als gesund, jedoch ist Obst reich an Kalium, was bei Dialysepatienten , die bereits an einem erhöhten Kaliumspiegel leiden, zu einer lebensbedrohlichen Hyperkaliämie führen kann (deutlich viel hoher Kaliumspiegel im Blut, wodurch das Herz-Kreislaufsystem zum Versagen gebracht werden kann)

WARUM MUSS DIE KALIUMZUFUHR KONTROLLIERT WERDEN?

Die Niere ist das Hauptausscheidungsorgan für Kalium. Da bei einer geschwächten Nierenfunktion die Ausscheidung von Kalium nicht mehr ausreichend gewährleistet ist, treten mit Fortschreiten der Erkrankung auch Störungen im Kaliumhaushalt auf. Kalium ist vor allem in Obst, Gemüse, Kartoffeln, Nüssen, Milch, Säften und Trockenfrüchten enthalten. Es gibt neben der Ernährung noch eine Reihe anderer Ursachen, warum das Kalium im Blut ansteigt. Dazu gehört z.B die Übersäuerung oder der Abbau von Muskulatur.

Es geht also bei der Nierendiät nicht um eine „gesunde Ernährung“ im klassischen Sinn, sondern darum, Ernährungsproblemen vorzubeugen, die häufig in Verbindung mit einer Nierenerkrankung und besonders der Dialyse auftreten. Die Ernährungsregeln für chronisch Nierenkranke sind heute wissenschaftlich begründet und die Diät ist bei fast allen Formen von Nierenerkrankungen ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Mit der Ernährung wird die Aufnahme von Eiweiß, Natrium, Kalium , Calcium und Phosphat gesteuert. Daher ist es wichtig, bei einer eingeschränkten Nierenfunktion ganz bewusst Nahrungsmittel nach ihren Inhaltsstoffen auszuwählen.

WARUM MUSS DIE PHOSPHATZUFUHR KONTROLLIERT WERDEN?

Ein zu hoher Phosphatwert ist eines der ersten Anzeichen einer nachlassenden Nierenfunktion und führt zu Folgeerkrankungen wie Knochenschäden und Verkalkungen. Mit dem Fortschreiten der Nierenerkrankung wird Phosphat nicht mehr ausreichend ausgeschieden. Auch Dialysemethoden können Phosphat nicht in den notwendigen Mengen herausfiltern. Deshalb sollten Sie bereits in frühen Stadien phosphatreiche Lebensmittel, z. B Haferflocken, Schmelzkäse, Nüsse, Kakao, Milchpulver reduzieren und Ihre Laborwerte im Auge behalten. Von der Lebensmittelindustrie zugesetzte Phosphate in Fertiggerichten oder Coca -Cola sollten unbedingt vermieden werden.

Die richtige Ernährung ist bei einer medizinisch diagnostizierten Niereninsuffizienz also besonders wichtig. Denn die sogenannte Nierendiät wirkt dem Krankheitsverlauf entgegen. Sie unterstützt Sie dabei, Ihre Ernährung ganz bewusst Ihrem Krankheitsstadium anzupassen oder Ihren Körper gezielt auf eine mögliche Dialyse vorzubereiten.

DIE ERNÄHRUNG WÄHREND DER DIALYSE

Mit dem Beginn der Dialyse wird die Ernährungstherapie zu einem festen Bestandteil der Behandlung . Dialysepatienten wird eine kalorien – und vor allem eiweißreiche Kost empfohlen.

Ziele und Nutzen der Diät im Dialysestadium

-eine ausreichende Eiweiß – und Energieversorgung sorgt für einen guten Ernährungszustand und bessere Abwehrkräfte

-Optimale Phosphatwerte verhindern Knochenerkrankungen und Verkalkungen

-Ein Kaliumspiegel im Normalbereich verhindert Herz-Kreislaufprobleme

-Blutdruckschwankungen können mit einer kontrollierten Trinkmenge vermieden werden

-Die Verwendung von Gewürzen statt Salz lindert den Durst nach dem Motto: „Salz ist kein Gewürz„!

-Folgeerkrankungen werden verhindert und das Wohlbefinden verbessert

WARUM IST JETZT EINE EIWEISSREICHE DIÄT NOTWENDIG?

Als Dialysepatient/in brauchen Sie mehr Eiweiß als gesunde Menschen. Ursache hierfür ist der Verlust von Aminosäuren. (Bausteine der Eiweiße) während den Dialysebehandlungen. Bei der sogenannten Bauchfelldialyse verlieren Patienten zusätzlich noch Eiweiß.

WELCHE ROLLE SPIELEN DAS KOCHSALZ UND DIE TRINKMENGE?

Die Zufuhr von Kochsalz wirkt sich auf den Wasserhaushalt aus. Der Salzhaushalt wird wiederum von den Nieren geregelt. Wieviel Salz man zu sich nehmen sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Wenn es zu Ödemen (Wassereinlagerungen) und Bluthochdruck kommt, erfordert das meist eine Salzreduktion. Die Tägliche Trinkmenge sollte sich nach der Nierenrestfunktion richten. Sie wird ermittelt anhand der Menge der Harnausscheidung durch die Nieren über 24 Stunden plus 500ml. Ihr/e Nierenspezialist/in wird Ihnen die Menge der Flüssigkeitszufuhr individuell verordnen.

WIE GUT IST DIE VERSORGUNG MIT VITAMINEN WÄHREN DER DIALYSE?

Viele Dialysepatienten/innen haben häufig einen Mangel an wasserlöslichen Vitaminen (C und B- Komplex). Eine zusätzliche Einnahme dieser Vitamine wird daher empfohlen. Fettlösliche Vitamine (A,D;E und K) können im Organismus gespeichert werden, so dass normalerweise kein zusätzlicher Bedarf besteht. Bei Vitamin A kann es sogar zu einer schädlichen Überdosis kommen. Vitamin D wird nur bei Bedarf individuell verabreicht.

WELCHE LEBENSMITTEL SOLLTE ICH GENERELL MEIDEN?

-Fertigprodukte, da diese häufig phosphathaltige Zusätze enthalten,

-übermäßige Aufnahme von tierischen Eiweißen, empfohlen sind zwei Drittel pflanzliche Eiweiße und ein Drittel tierisches Eiweiß mit der Nahrung aufzunehmen

-kaliumreiche Lebensmittel sollten reduziert werden, besonders kaliumreich sind Bananen, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trockenfrüchte, Gemüse- und Obstsäfte, Tomaten, sowie Kartoffelfertigprodukte

-Kochsalz sollte reduziert werden, da eine eingeschränkte Nierenfunktion die Ausscheidung von Natrium über den Urin verringert. Vor allem Fertigprodukte haben zu viel Salz, daher empfiehlt es sich z. B. Brot selbst zu backen und Mineralwasser mit einem Natriumgehalt unter 20mg zu trinken, das möglichst still (ohne Kohlensäure)

Quelle: Deutsche Nierenstiftung/ Geschäftsstelle Hilpertstraße 27, 64295 Darmstadt /Email: info@nierenstiftung.de

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