Spezial Interview / Backwaren
Interview mit Prof. Dr.. Sascha Rohn
Wird die Eigenschaft vHerr Rohn, im Beitrag stellen Sie fest: „Die verbreitete Skepsis gegenüber Zusatzstoffen beruht häufig auf Unwissenheit zu den individuellen Funktionalitäten und nicht auf tatsächlichen Risiken.“. Welche Möglichkeiten sehen Sie, hier mehr Verbraucherkompetenz zu erreichen? Sendungen, die vermeintlich „Tricks“ entlarven, bespielen diese Thematik ja teilweise sehr einseitig?
Wie im Beitrag erwähnt, sind Zusatzstoffe vor ihrer Zulassung zu prüfen, mögliche Risiken zu identifizieren und unter Umständen Höchstmengen festzulegen. Das machen Profis der nationalen und europäischen Lebensmittelsicherheit tagein, tagaus. Begriffe wie „Tricks“ sind suggestiv und führen nicht zu einer wirklichen Aufklärung und einem notwendigen dialektischen Abwägen, dem Gegenüberstellen von Nutzen und Risiko. Verbrauchende werden in dem Denken bestärkt, dass mangelhafte Rohstoffe mit Zusatzstoffen maskiert und die Verbrauchenden dadurch getäuscht werden.
Wird die Eigenschaft von Zusatzstoffen , die Haltbarkeit und den Genusswert von Produkten zu verlängern, zu wenig kommuniziert – gerade unter dem Aspekt der Lebensmittelverschwendung?
Themen wie Lebensmittelverschwendung und optimale Ausnutzung von Ressourcen zur Vermeidung von Abfällen und dem Schutz der Umwelt müssen womöglich dazu führen, dass man den Nutzen von Zusatzstoffen neu bewertet
Würden Beispiele helfen, die zeigen, dass Zusatzstoffe auch bei der Zubereitung zu Hause zum Einsatz kommen? Ich denke an Eigelb als Emulgator. Natron bei Laugengebäck, usw.
Ja, auch das könnte ein erster Ansatz sein, die Funktionen und Notwendigkeiten von Zusatzstoffen besser zu erklären. Solche Beispiele scheinen hilfreicher als das häufig verwendete Stilmittel der Darstellung anonymer weißer Pülverchen.
Unser moderner zeitlich eng getakteter Lebensstilwird von Seiteb der Hersteller und des Handels mit fast jederzeit in großer Auswahl verfügbaren Lebensmitteln aufgegriffen. A Abgepackte „frische Backwaren mit nahezustandardisiertem Mundgefühl und langer Haltbarkeit stehen den „Spontankäufer/innen nahezu rund um die Uhr und in großer Auswahl zur Verfügung. Dies erfordert den Einsatz von Zusatzstoffen. Ist den Konsument/innen dieser Zusammenhang bewusst?
Genau hier hat sich in den letzten Jahrzehnten eine andere Denkweise etabliert. Die nahezu grenzenlose Vielfalt und Verfügbarkeit fordert einerseits die Otimierung der Produkte und hat uns andererseits aber auch die wesentlichen Essentials vergessen lassen . Lebensmittel unterliegen einer gewissen Haltbarkeit , bestimmte Rezepturen , Geschmack und Geruch werden von Verbrauchenden eingefordert, können aber nicht so ohne Weiteres ohne Optimierung erreicht werden
Bei welcher Zusatzstoffgruppe sehen Sie aktuell den höchsten Klärungsbedarf bezüglich der der physiologischen Wirkungen/ Risiken und bei welchen Zusatzstoffen würden Sie sagen: im Prinzip verzichtbar, wenn die Verbraucher/innen bereit wären…
…manche Defizite im Erscheinungsbild der Lebensmittel hinzunehmen. Eine nicht optimale Emulsion (z.B eine Feinkostsosse oder eine Milchproduktalternative) wäre vor dem Gebrauch nochmal zu schütteln oder zu rühren, ohne den Einsatz von Emulgatoren . Manche Produkte müssten ohne den Einsatz von Konservierungsmitteln schneller verbraucht werden , was ein optimiertes Einkaufen erfordern würde . Gerade Emulgatoren sind immer wieder Gegenstand von kontroversen Diskussionen. Das immer größer werdende Wissen um die Einflüsse eines diversifizierten Darmmikrobioms auf die menschliche Gesundheit führt sicherlich dazu, dass manche Substanz hinterfragt werden muss. Entsprechend müssen dann neue Verbindungen entwickelt werden oder auch neue Technologien , die die Verwendung von Zusatzstoffen nicht mehr nötig machen.
vielen Dank für das Interview, Herr Professor Rohn!
Dasschriftliche Interview führte Dr. Udo Maid-Kohnert.
ERNÄHRUNGSUMSCHAU 6 Juni 2026. 73. Jahrgang

