Die Erbährungssituation in Deutschland zeigt, dass den Menschen eine gesunde Ernährung wichtig ist. (vgl BMEL,2024) Demgegenüber steht jedoch die noch immer ansteigende Zahl übergewichtiger und adipöser Menschen. Rund jede/-r zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig. Während im Jahr 1999 48% der Bevölkerung als übergewichtig galten, waren es 2017 laut Mikrozensus (jährliche Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland) schon 53% . Diese Zahl hat sich auch in den Jahren 2019 und 2020 gehalten. Dabei sind Männer häufiger übergewichtig als Frauen. Während 47% der Frauen von Übergewicht betroffen waren, lag der Wert bei Männern bei 60% (vgl RKI, 2022) Der Anteil von adipösen Erwachsenen in Deutschland lag 2017 bei 16% (vgl. StBA, 2019). In den Jahren 2019/2020 stieg dieser Wert auf 19%. Hier fand sich die höchste Prävalenz in der Altersgruppe 45 bis 64 Jahre (vgl.RKI,2024). Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass essenzielles Wissen und Kompetenzen in Bezug auf eine gesunde Ernährung noch immer fehlen oder nicht umgesetzt werden. Relevant ist in diesem Zusammenhang der Begriff der Gesundheitskompetenz. Unter Gesundheitskompetenz wird die Motivation und die Fähigkeit verstanden, gesundheitsrelevantes Wissen ausfindig zu machen, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden (vgl.Schaeffer et al.,2017, S.1) Mit einem besseren Ernährungsverständnis und einer angemessenen Gesundheitskompetenz könnten viele Erkrankungen vermieden werden, wodurch zudem das Gesundheitssystem entlastet werden würde. Denn die Kosten, die zur Behandlung chronischer Erkrankungen für das Gesundheitssystem entstehen können, sind wesentlich höher, als geeignete Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, die die Menschen dazu sensibilisieren, gesünder zu leben. Typische, ernährungsmitbedingte Erkrankungen sind Beispielsweise Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, kardiovaskuläre Erkrankungen oder Fettstoffwechselstörungen wie ein zu hoher Cholesterinwert. Zusammengefasst werden diese Erkrankungen als metabolisches Syndrom bezeichnet. (vgl. Staiger et al., 2022, S.587) Viele dieser Erkrankungen bedingen sich auch gegenseitig.
Metabolische Erkrankungen
Unter metabolischen Erkrankungen werden Erkrankungen verstanden, die den menschlichen Stoffwechsel betreffen. Neben seltenen, angeborenen Stoffwechselstörungen spielen hier vor allem Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und die Insulinresistenz, die nicht selten in einem Diabetes mellitus Typ 2 endet, eine Rolle. Zusammengefasst werden diese Erkrankungen auch als das „tödliche Quartett“ oder das metabolische Syndrom bezeichnet (vgl. Biesalski et al., 2020, S.390).
Das metabolische Syndrom entwickelt sich nicht innerhalb eines Tages. Es beginnt meist mit einem leicht erhöhten Blutdruck, leicht erhöhten Nüchtern -Blutzuckerwerten oder leicht erhöhten Cholesterinwerten. Genau das macht es jedoch so gefährlich. Frühe Warmzeichen werden nicht ernst genommen. Schon ein leicht erhöhter Taillenumfang kann den Beginn eines metabolischen Syndroms anzeigen. Steigt das Körpergewicht weiter an, manifestieren sich die Symptome. Unbehandelt kann das metabolische Syndrom zu schwerwiegenden Herz- Kreislauferkrankungen führen, die tödlich ausgehen können.
Wird das Gewicht reduziert, können die Symptome positiv beeinflusst werden. (vgl. Biesalski et.al., 2020, S.390). Das Wichtigste in der Therapie des metabolischen Syndroms sind die Ernährung und die Bewegung. Ziele und eine Gewichtsreduktion und ein aktiver Lebensstil (vgl. Biesalski et.al., 2020, S. 390). In Deutschland leidet ca. jede/-r fünfte Erwachsene unter dem metabolischen Syndrom (vgl. Brömstrup; Hauner, o.J., S. 117).
Übergewicht und Adipositas
Übergewicht hat nicht nur Folgen für die eigene Gesundheit, es belastet auch da Gesundheitssystem und stellt einen der stärksten Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Steigt der BMI auf über 30 an, wird von Adipositas gesprochen. In Deutschland sind etwa 30-50% der Erwachsenen übergewichtig (vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, S.645).
Auslöser für Übergewicht ist zumeist eine positive Energiebilanz, was bedeutet, dass mehr gegessen wird, als der Körper benötigt (vgl Biesalski et al., 2020, S. 378). Doch nicht immer ist eine positive Energiebilanz an der Gewichtzunahme schuld. So wurde mittlerweile gezeigt, dass genetische und metabolische Faktoren, das soziale Umfeld, Störungen in der Sättigungsregulation oder mangelnde Bewegung ebenfalls das Risiko für Übergewicht erhöhen. (vgl. Elmadfa; Leitzmann. 2023, S. 646) .
Die Therapie für Übergewicht und Adipositiv besteht, neben einer energiereduzierten Ernährung und mehr Bewegung, vor allem in einer grundlegenden Verhaltensänderung. Betroffenen soll eine nachhaltige Lebensstiländerung ermöglicht werden, um Gewicht langfristig zu reduzieren. Bei Versagen der Therapie oder bei einer sehr stark ausgeprägten Adipositas können auch chirurgische Eingriffe Abhilfe schaffen. (vgl. Biesalski et al., 2020, S. 382)
Fettstoffwechselstörungen
Sogenannte Fettstoffwechselstörungen sind genetisch bedingt. Ein erhöhtes LDL-Cholesterin oder ein erniedrigtes HDL – Cholesterin sind jedoch häufig ernährungsbedingt. Sie werden dann zu den sekundären Fettstoffwechselstörungen gezählt, die durch eine falsche Ernährungsweise oder bestehende Erkrankungen ausgelöst werden. Sie können I.d.R. gut durch eine Ernährungsumstellung oder die Vermeidung der auslösenden Erkrankungen behandelt werden (vgl. Biesalski et al., 2020, S. 388).
Auch bei den Fettstoffwechselstörungen spielt Übergewicht wieder eine bedeutende Rolle. Durch zu viel Energie in der Ernährung wird die Fettsynthese in die Leber gesteigert, und es kommt zu erhöhten Blutfettwerten. Es ist nachgewiesen, dass dauerhaft erhöhte Cholesterin Spiegel im Blut signifikant mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen korrelieren (vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, S. 660).
Die Ernährung sieht bei allen Fettstoffwechselstörungen ähnlich aus:Sie sollte reich an Ballaststoffen sein. Ungesunde Fette (Frittiertes, industrielle Backwaren etc.) sollten vermieden werden, stattdessen sollten gesunde Fette , wie Olivenöl, das einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren hat, eingesetzt werden. Omega-3-Fettsäuren können beispielsweise durch den Verzehr von Seefischen wie Lachs aufgenommen werden (vgl. Biesalski et al., 2020, S. 388)
Bluthochdruck
In Deutschland leiden etwa 44% der Frauen und 51% der Männer an Bluthochdruck, der sogenannten Hypertonie( vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, 2023, S. 696). Eine Hypertonie besteht, wenn der systolische Wert auf über 140 mmHg und der diastolische Wert auf über 90 mmHg ansteigt. Der systolische Wert gibt das Herzschlagvolumen wieder, während der diastolische Wert den Widerstand des peripheren Gewebes anzeigt (vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, S. 6996). Umgangssprachlich werden die Werte beispielsweise als „140 zu 90“ ausgedrückt. Auch hier ist der Hauptrisikofaktor das Übergewicht. So kann bei den meisten Betroffenen durch eine Gewichtsreduktion eine Normalisierung des Blutdrucks erreicht werden.
Insulinresistenz
Unter Insulinresistenz wird einen verminderte Antwort der Insulinrezeptoren insulinabhängiger Organe verstanden. Die entsprechenden Körperzellen reagieren nicht mehr angemessen auf Insulin. Folglich kann Glukose aus dem Blut nur noch erschwert in die Zellen aufgenommen werden. Die Folge ist neben einem erhöhten Insulinwert im Blut ein erhöhter Blutglukosewert, der sich zu einem Diabetes mellitus Typ 2 entwickeln kann. Die Bauchspeicheldrüse reagiert auf die Nichtaufnahme der Glukose mit einer gesteigerten Insulinproduktion, was zu einer sich gegenseitig verstärkenden negativen Entwicklung führt. Die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstören sich letztendlich selbst und können daher kein Insulin mehr produzieren, sodass betroffene Patienten und Patientinnen dieses von außen zuführen müssen (vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, S. 677).
Koronare Herzerkrankungen
Eine ungesunde Lebensweise kann schädliche Folgen für das Blutkreislaufsystem haben. Cholesterinester und andere Fette können sich in den Wänden der Arterien einlagern und d an mit den Blutfluss verringern. Die Folge ist eine Arteriosklerose, die sich besonders häufig an den Herzkranzgefäßen, den Koronararterien, bildet. Die Durchblutung des Herzmuskels wird verschlechtert und auf lange Sicht kann das Herz nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Die Folgen sind eine Angina pectoris ( Schmerzen in der Brust), ein Herzinfarkt oder der plötzliche Herztod. (vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, S. 668).
Noch immer stellen die Koronaren Herzerkrankungen die Haupttodesursache in industrialisierten Ländern dar, obwohl viele auslösende Faktoren über die Ernährung beeinflusst werden könnten. Als positiv zu bewerten ist, dass zumindest in den vergangenen Jahren kein Anstieg mehr in Mortalität und Morbidität beobachtet wurde (vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, S. 668) Durch die Vermeidung von Übergewicht, den Verzicht auf Rauchen und die Vermeidung von ernährungsbedingten Fettstoffwechselstörungen kann die Entwicklung einer Koronaren Herzerkrankung präventiv beeinflusst werden.
Die erste Maßnahme im Falle von Übergewicht sollte die Gewichtsproduktion durch eine angepasste Ernährungsweise darstellen. Ein positiver Nebeneffekt einer Gewichtsreduktion ist, dass sich auch die Blutfettwerte verbessern. Eine fettreduzierte Kost spielt eine sehr große Rolle in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So wird empfohlen, die Fettzufuhr auf 30% der Nahrungsenergie zu senken, wovon maximal 10% gesättigte Fettsäuren ausmachen sollen. Im Gegenzug soll der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren auf 7 % und einfach ungesättigten Fettsäuren auf 13 % angehoben werden. Zudem sollte sich die Ernährung aus viel Obst und Gemüse zusammensetzen, da die antioxidativen Eigenschaften dazu beitragen, da Risiko einer Koronaren Herzerkrankung zu minimieren (vgl. Elmadfa; Leitzmann, 2023, S. 675).

Dr. Lisa-Marie Schütz, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin
