Ernährung bei Niereninsuffizienz Teil 1

1.Januar 2024 von FETev Redaktion

Die chronische Nierenkrankheit kennzeichnet sich durch eine langfristig fortschreitend herabgesetzte Funktion der Nieren aus. Aufgrund der einzigartigen Rolle der Nieren sowohl in der Ausscheidung als auch in der Hormonproduktion können vielfältige Komplikationen auftreten. Einerseits verursacht die eingeschränkte Fähigkeit zur Filtration und Ausscheidung Störungen im Gleichgewicht von Wasser, Elektrolyten und im Säure- Base- Haushalt. Andererseits führt die beeinträchtigte Hormonproduktion zu Problemen wie Anämie (Blutarmut) oder Osteopathie (Erkrankung im Bereich der Knochen) In der Ernährungstherapie ist es entscheidend, die Ernährung and diese veränderten Bedürfnisse anzupassen. Eine sorgfältig abgestimmte Diät kann dabei helfen, das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Die Ernährung bei Niereninsuffizienz ist sehr individuell. Die Unterstützung und Begleitung der betroffenen Patienten und deren Angehörigen durch eine professionelle Ernährungsberatung ist unerlässlich, um die richtige Menge und Auswahl der Lebensmittel zu gewährleisten, da die Empfehlungen je nach Stadium der vorhandenen Nierenfunktion oder der Nierenersatztherapie sehr unterschiedlich und kontrovers variieren.

Das stimmt, aber…..!

Das Fortschreiten einer Niereninsuffizienz kann durch deren frühe Erkennung, konsequente Behandlung der Ursachen (Diabetes mellitus, Bluthochdruck) eine gesunde Lebensweise (Ernährung, Bewegung) verlangsamt, gestoppt oder stabilisiert werden, manchmal sogar durch teilweise Erholung, solange die Grunderkrankung gewissenhaft behandelt und durch eine gesunde Lebensweise konsequent unterstützt wird.

Definition und Häufigkeit

Die chronische Nierenkrankheit ist ein Krankheitsbild, das Folge einer meist fortschreitenden Einschränkung der Nierenfunktion ist. Hierbei kommt es infolge des Abfalls der Nierenfunktion zum Anstieg harnpflichtiger Substanzen (wasserlösliche Abbauprodukte des Stoffwechsels, die kontinuierlich über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden werden müssen, um eine Vergiftung des Körpers ( Urämie) zu verhindern.), sogenannter Urämietoxine im Blut und in den Gewebezellen des Körpers.

Gleichzeitig besteht eine metabolische Übersäuerung. Bildgebend zeigt sich eine zunehmende Verkleinerung des Nierengewebes (Schrumpfniere). Wird ein fortschreitendes Nierenversagen nicht mit Nierenersatztherapie behandelt, verstirbt der Patient/ die Patientin im Coma uraemicum (ein lebensbedrohlicher Zustand als Endstadium eines Nierenversagens, verursacht durch die Anreicherung harnpflichtiger Stoffe im Blut.)

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen einer chronischen Niereninsuffizienz sind in wenigen Fällen angeboren. In der überwiegenden Zahl der Fälle ist eine chronische Niereninsuffizienz Folge einer erworbenen, chronischen Nierenerkrankung, die weitgehend asymptomatisch beginnt und langsam im Verlauf mehrerer Jahre bis zum vollständigen Verlust der Nierenfunktion fortschreitet.

Allgemeine Risikofaktoren für eine chronische Nierenerkrankung sind ein unbehandelter Bluthochdruck, ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, chronische bakterielle Entzündungen der Harnwege. Bei Patienten mit einer akuten Nierenentzündung kann im Gegensatz hierzu die Nierenschädigung innerhalb weniger Wochen zum völligen Nierenversagen fortschreiten.

Angeborene Ursachen:

-autosomal dominant vererbt :

die Krankheit wird bereits durch eine einzige Kopie eines mutierten Gens auf einem der ersten 22 Chromosomen sichtbar. Ein betroffener Elternteil hat eine 50%ige Chance, das mutierte Gen an jedes Kind weiterzugeben, unabhängig vom Geschlecht. Betroffene Familien haben oft eine durchgehende Krankheitslinie über Generationen hinweg, da die Krankheit nicht übersprungen wird.

-autosomal rezessiv vererbt:

die Krankheit wird nur dann sichtbar, wenn von beiden Elternteilen jeweils eine genetische Variante auf den gleichen, nicht geschlechtsbestimmenden Chromosomen vererbt wird

x-chromosomal vererbt:

die Krankheit wird nur dann sichtbar, wenn deren Gene auf dem X-Chromosom liegen.

Erworbene Ursachen

-diabetische Nierenerkrankung

-durch langfristigen unbehandelten Bluthochdruck

-durch plötzliche Entzündung der Nierenkörperchen, (als Folge einer Infektion)

-langanhaltende Entzündung der Nierenkörperchen

-Entzündung des Nierengewebes

-diverse Systemerkrankungen mit Nierenbeteiligung

Entstehung:

Ein chronisches Nierenversagen zieht sich über Monate bis Jahre hinweg, bevor es zum völligen Verlust der Ausscheidungsfunktion kommt. Die genauen Vorgänge sind von der Grunderkrankung abhängig. Während sich beispielsweise bei der diabetischen Nierenerkrankung, verursacht durch die erhöhte Blutzuckerkonzentration, vermehrt Glucose in Struktureiweiße der Nierenkörperchen heften, spielt bei der bluthochdruckbedingten Nierenerkrankung die mechanische Belastung aufgrund des erhöhten Innendrucks in den Nierenkörperchen eine Rolle.

Gleichzeitig kommt es also nicht nur zur Schädigung der Nierenkörperchen, sondern auch des umliegenden Nierengewebes, sodass auch die endokrine Funktion der Nieren eingeschränkt ist.

Symptome bei fortschreitender Schädigung der Nieren:

-Ödembildung, vor allem an den Unterschenkeln

-Bluthochdruck

-Atemnot

-Schmerzen im Brustraum

-Müdigkeit, Schlafstörungen, zunehmende körperliche und geistige Leistungsschwäche

-Hautblässe, gelegentlich milchkaffeeartige Verfärbung der Haut

-Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit

-vermehrte Harnausscheidung in der Nacht

-helle Verfärbung des Harns

-Juckreiz an den Extremitäten

-Restless-legs Syndrom

-Herzrhythmusstörung

Ernährungsziele und diätetische Prinzipien

Die Abnahme der renalen Ausscheidungsfunktion erfordert von betroffenen Patienten eine Diät, die einerseits die Zufuhr und Bildung harnpflichtiger Substanzen minimiert, andererseits aber eine ausreichende Bedarfdeckung an Energie und hochwertigem Eiweiß gewährleistet.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Bei der Umsetzung der Ernährungsempfehlungen, insbesondere in den letzten Stadien, ist die Begleitung durch eine mit den Besonderheiten der Dialyse gut vertraute Ernährungsfachkraft erforderlich, da die Einhaltung von Nährstoffrestriktionen bei gleichzeitig ausreichender Bedarfsdeckung gute Kenntnisse über die Zusammensetzung von Lebensmitteln erfordert. Im Allgemeinen haben die Patienten wenig eigene Kenntnisse über die relevanten Bestandteile ihrer Ernährung. Um die Diät kompetent und patientengerecht umsetzen zu können bzw. Änderungen der körperlichen Situation zeitnah anzupassen, sollte eine gute Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden Nephrologen, Diabetologen und Ernährungsberater stattfinden. Ein Beratungsprotokoll sollte sich auf die biochemischen Daten der Patienten, die genaue Beschreibung des Dialyseverfahrens unter Berücksichtigung der aktuellen Medikation stützen.

Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Energie

Für nierenkranke Patienten gelten bezüglich der Energieaufnahme die gleichen Empfehlungen wie für gesunde Personen. Diese sind abhängig vom Alter, Geschlecht, Körpergewicht sowie der körperlichen Aktivität. Der Energiebedarf liegt für Patienten unter 60 Jahren in etwa bei 35 bis 40 kcal/kg Körpergewicht und Tag. Bei über 60jährigen ist der Bedarf geringer und sollte etwa 30 bis 35 kcal/kg Körpergewicht betragen.

Eine Normalisierung des Köpergewichts ist bei übergewichtigen Patienten wünschenswert, da besonders bei gleichzeitig vorliegendem Diabetes mellitus Typ 2 sowie Bluthochdruck eine Gewichtsreduktion den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Hierbei ist zu beachten, dass besonders in fortgeschrittenen Stadien der Niereninsuffizienz häufig Ödeme auftreten, die zu einem Anstieg des Körpergewichts um bis zu 15kg führen können und nicht mit Übergewicht oder einer Adipositas verwechselt werden dürfen.

Eiweißzufuhr bei chronischer Niereninsuffizienz

Der Nutzen einer extrem eiweißarmen Ernährung (25g/Tag als Kartoffel-Ei-Diät) hat sich nicht nachweisen lassen. Vielmehr kann es unter dieser Therapie zu einer Unterversorgung und zu einer schlechten Prognose während der nachfolgenden Dialysetherapie kommen. Studien, die ein verlangsamtes Fortschreiten des Nierenversagens unter eiweißarmer Ernährung untersucht haben, liefern bislang keine überzeugenden Ergebnisse.

Da die Einhaltung einer eiweißarmen Kost mit einer Einbuße der Lebensqualität einhergeht und deren Nutzen noch nicht eindeutig bewiesen ist, sollte diese erst bei einer Filtrationsrate von 30ml/min angestrebt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist lediglich von einer sehr eiweißreichen Ernährungsweise abzuraten. Empfehlenswert ist hier eine Eiweißzufuhr von etwa 0,8 bis 1,0g/kg Köpergewicht und Tag. Erst bei weiter fortschreitendem Funktionsverlust ist eine Reduktion auf 0,6 bis 0,8g/kg Körpergewicht und Tag sinnvoll. Eine Zufuhr von weniger als 0,6g/kg Körpergewicht ist im Alltag eher unrealistisch, bedeutet für den Patienten eine unnötig starke Einschränkung der Lebensqualität und birgt die Gefahr einer Eiweißunterversorgung.

Bei einer Eiweißarmen Ernährung sind eiweißreiche Lebensmittel so zu wählen und zu kombinieren, daß bereits kleine Mengen ausreichen, um sämtliche essenziellen Aminosäuren in dem Maße zur Verfügung zu stellen, wie der Körper diese zum Aufbau von Körpereiweißen benötigt. Hierbei spielt die biologische Wertigkeit als Beurteilungsgröße für die Lebensmittelauswahl eine wesentliche Rolle.

Die biologische Wertigkeit gibt an, wie viel Eiweiß der Körper aus 100g Nahrungseiweiß bilden kann. Nahrungseiweiße, die essentielle Aminosäuren in einem ähnlichen Mengenverhältnis aufweisen, wie menschliche Proteine, haben eine hohe biologische Wertigkeit und werden mit hoher Effizienz in Körpereiweiß umgewandelt. Ein ideales Lebensmittel würde den Bedarf an essenziellen Aminosäuren zu 100% decken. Bei einem Lebensmittel mit der biologischen Wertigkeit von z.B 60 kann eine Aminosäure den Bedarf nur zu 60% decken, sodass hiervon entsprechend mehr gegessen werden muß.

Eiweiße mit niedriger Wertigkeit liefern demnach reichlich Aminosäuren, die der Köper in dem Umfang nicht benötigt und zu harnpflichtigen Substanzen abbaut. Durch Kombination von Lebensmitteln deren Aminosäurezusammensetzung sich ergänzt, können diese mitunter eine biologische Wertigkeit über dem Referenzwert von Hühnereiweiß mit 100% aufweisen.

Flüssigkeitszufuhr

Bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion (jedoch nicht bei Nierenersatztherapie!)soll mit Hilfe einer möglichst großen Urinausscheidung die Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen verbessert und damit das Stadium der Nierenersatztherapie möglichst weit hinausgeschoben werden. Hierbei ist es notwendig, daß der Patient eine Urinausscheidung von 2 bis 4l/Tag einhält. Vielen Patienten fällt es erfahrungsgemäß allerdings schwer, sich an die geforderte hohe Trinkmenge zu gewöhnen,

Zusätzlich erhalten sie oftmals Diuretika in hoher Dosierung, die mit einem erhöhten Verlust an Kochsalz mit dem Urin verbunden ist. Aus diesem Grund und um die Wirksamkeit der Diuretika zu erhalten, muss der Patient zusätzlich reichlich Kochsalz aufnehmen. Das gilt vor allem besonders beim Auftreten einer sogenannten Salzverlustniere. selbst wenn erhöhte Blutdruckwerte vorliegen, ist eine reduzierte Kochsalzzufuhr hier nicht sinnvoll.

Die Einhaltung der großen Trinkmenge stellt ein großes Problem dar. Gerade ältere Patienten, die erfahrungsgemäß ohnehin kaum Durst verspüren, müssen gut über die Notwendigkeit der hohen Flüssigkeitszufuhr aufgeklärt und aktiv bei der Umsetzung unterstützt werden.

Praktische Tipps:

-geeignete Getränke sind Mineralwasser, Leitungswasser, Kräuter – und Früchtetees sowie stark verdünnte Gemüse und Obstsäfte. Da Kohlensäure sättigend wirkt, sollte möglichst stilles oder kohlensäurearmes Mineralwasser bevorzugt werden.

-Flüssige Speisen wie klare Suppen oder wasserreiche Lebensmittel sind besonders gut geeignet.

-die gesamte Trinkmenge sollte morgens bereitgestellt werden, um diese über den Tag nicht zu unterschätzen (Bereitstellung von 2 bis3 Flaschen Mineralwasser oder 2 Kannen Tee, die über den Tag verteilt getrunken werden sollten)

-ein Trinkplan (z.B jede halbe Stunde ein Glas trinken) unterstützt die Einhaltung der Trinkmenge

-das Bereitstellen von Getränken im Sichtbereich und an häufig aufgesuchten Orten in der Wohnung motiviert die Patienten zum trinken

-die Verwendung von großen Gläsern und Tassen lässt oftmals mehr trinken.

Natriumzufuhr

Ob oder wie streng eine Kochsalzeinsparung notwendig ist, ist individuell abzustimmen. Besonders bei einer Salzverlustniere ist eher eine verstärkte Natriumzufuhr notwendig. Kochsalz sollte in dem Maße zugeführt werden, daß keine Unterversorgung entsteht, die ihrerseits zu einem Abfall der Harnausscheidung führt. Zu berücksichtigen ist hier, daß viele Patienten Diuretika einnehmen, um die Harnausscheidung zu verbessern. Diese wirken über eine vermehrte Ausscheidung von Kochsalz. Erst durch eine ausreichende Kochsalzzufuhr kann die erwünschte Harnbildung und Ausscheidung von 2 bis 4l/Tag aufrechterhalten werden. Daher sollte beim Auftreten von Ödemen und niedrigen Natriumwerten eher vermehrt als vermindert Kochsalz mit der Nahrung aufgenommen werden.

Worauf Sie im Allgemeinen achten sollten :

Reduzieren Sie je nach Bedarf und Stadium die Gesamtmenge an tierisches Eiweiß (Fleisch, Wurst, Milchprodukte aus Kuhmilch) Bevorzugen Sie hochwertige pflanzliche Proteine, um die Nieren zu entlasten.

Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel wie Konserven, Wurst und Fertigprodukte, da diese viel Salz (Pökelsalz) enthalten, das den Blutdruck erhöht.

Achten Sie je nach Stadium auf kaliumarme Lebensmittel. Eine Verminderung der Kaliumaufnahme ist im Frühstadium noch nicht zwingend notwendig, jedoch ist es wichtig, die Kaliumzufuhr im Auge zu behalten, denn der zunächst symptomlose Verlauf einer sogenannten Hyperkaliämie kann durchaus gefährlich werden.

Bevorzugen Sie pflanzliche Milchprodukte, Reduzieren Sie Wurst, Ei, Nüsse, da diese Phosphat enthalten, was den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen kann.

Je nach Krankheitsstadium muss die Trinkmenge individuell angepasst werden. Während in den Frühstadien der Niereninsuffizienz noch reichlich Flüssigkeit aufgenommen werden muss, um die vorhandene Nierenfunktion zu unterstützen und aufrecht zu erhalten, dürfen Dialysepatienten maximal ca 10-15ml Flüssigkeit pro Tag und kg Körpergewicht zu sich nehmen.

Vor allem im fortgeschrittenem Stadium, bei Nierenersatztherapie gilt es, für ausreichend Kalorien zu sorgen, besonders über hochwertige Fette (pflanzliche Öle) und wenig Zucker. Meiden Sie versteckte Fette in Fertigprodukten.

Phosphat: beeinflusst den Knochenstoffwechsel bei Niereninsuffizienz negativ, daher zugesetztes Phosphat in Fertigprodukten und Schmelzkäse meiden, Vollkornprodukte, gute Käsesorten bevorzugen.

Empfehlenswerte Lebensmittel

Gemüse: Salate, Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Basilikum, Radieschen, Gurken, Zucchini, Paprika (in Maßen)

Obst: Äpfel, Wassermelone, Beeren, Obstkonserven (abgetropft)

Kohlenhydrate: Helle Brotsorten, Cornflakes, Reis, Nudeln (je nach Stadium auch wenig gesalzen)

Milchprodukte: Hüttenkäse, Frischkäse, Camembert (in Maßen),

Fette: Essig-Ölsaucen,

Getränke: Mineralwasser, Früchte- und Kräutertee

weiter geht es nächste Woche in meinem Blogbeitrag rund um das Thema Niereninsuffizienz Teil 2

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