Ernährungsbasierte Hitzeschutzmassnahmen in Gesundheitseinrichtungen
Saskia Wendt, Matthias Kurandt, Karin Hillringhaus, Andrea Nakoinz
Hitze stellt eine zunehmende Bedrohung für die Gesundheit dar
Die globale Erwärmung hat eine Vielzahl gesundheitlicher Konsequenzen: Infektionskrankheiten, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden, breiten sich durch wärmere und feuchtere Luft auch in Deutschland weiter aus. Auch Infektionen durch wassergängigen Bakterien wie Vibrionen treten durch wärmere Gewässer häufiger auf. Die spürbare Veränderung unserer Umwelt und Angst vor den Folgen des Klimawandels stellen außerdem eine hohe Belastung für die Gesundheit der Menschen dar.
Die bisher größte klimabedingte Gefahr für die Gesundheit ist jedoch die zunehmende Hitzebelastung.
Für die Jahre 2023 und 2024 meldete das Robert Koch Institut jeweils rund 3000 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland. In den Hitzesommern 2018 und 2019 waren es sogar ca 8500 bzw knapp 7000 hitzebedingte Todesfälle.
Dabei können indirekte und direkte Folgen der Hitze unterschieden werden. Indirekte Folgen sind zum Beispiel Belastungen der Gesundheitsinfrastruktur durch hitzebedingte Stromausfälle oder vermehrte Rettungsdiensteinsätze und Krankenhauseinweisungen.
Zu den direkten Folgen zählen hitzebedingte Erkrankungen wie Hitzschlag, Hitzeerschöpfung und Sonnenstich . Hitzschlag und Hitzeerschöpfung sind ernsthafte Komplikationen einer hohen Hitzebelastung, die oft lebensgefährlich verlaufen. Auch warme Nächte und Tropennächte erhöhen nachweislich das Sterberisiko, wenn der Körper sich nachts nicht von der Hitze erholen kann.
Hitze hat außerdem Auswirkungen auf die Organsysteme. Die meisten hitzebedingten Todesfälle lassen sich auf Herz- Kreislauf – und Atemwegserkrankungen wie die Verschlimmerung von Asthma und COPD zurückführen.
Auch Personen, die an Diabetes oder Demenz leiden, nehmen die Todesfallzahlen im Sommer signifikant zu. Zudem erhöht sich das Risiko für Schlaganfälle oder Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Kleinkinder, die sich selbst nicht vor Hitze schützen können. So kann z. B. Demenz dazu führen , dass Betroffene nicht ausreichend essen und trinken.
Eine besondere Rolle spielt außerdem die Einnahme von Medikamenten. So führen z. B. Diuretika und Laxanzien zu einer höheren Wasserausscheidung und erhöhen somit das Risiko für eine Dehydrierung. Viele Medikamente zur Behandlung von Diabetes , Herz- Kreislauferkrankungen treffen eine große Anzahl an Menschen. Der Umgang mit der Medikamenteneinnahme und Lagerung bei Hitze sollten von den Behandelnden proaktiv mit den Betroffenen vor einer möglichen Hitzeperiode besprochen und bei akuter Hitze überprüft werden.
Hitze belastet die Gesundheitseinrichtungen zusätzlich
Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser stehen bei jährlich neuen Hitzerekorden vor einer besonderen Herausforderung. Die Gebäudestruktureb sind oft veraltet, sodass diese wenig isolieren und eine hohe Hitzebelastung im Sommer eintritt. Ein von der Deutschen Krankenhausgesellschaft veranlasstes Gutachten schätzt, dass rund 3,3 Mrd. Euro an Investitionskosten notwendig sind, um die Gebäudehüllen aller 1647 Allgemeinkrankenhäuser in Deutschland im Sinne des Klimaschutzes zu sanieren.
Erneut sind v.a Ältere und Menschen mit chronischen Erkrankungen in Gesundheitseinrichtungen einem höheren Risiko durch Hitze ausgesetzt . Dies ist auf zuvor genannte Faktoren wie Vorerkrankungen, Polymedikation oder eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme zurückzuführen. Zusätzlich ist diese Gruppe oftmals temporär auf Hilfebedarf bei der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme angewiesen.
Gleichzeitig stehen das medizinische und pflegende Personal bei Hitze vor einer zusätzlichen Belastung. Zum einen nimmt bei Hitze das Arbeitspensum durch die höhere Bettenbelegung zu, während gleichzeitig die körperliche Belastung durch die anstrengende Tätigkeit steigt. Im DAK Gesundheitsreport 2024 gaben Beschäftigte in Pflegeberufen gegenüber dem Durchschnitt der Beschäftigten mit 49,3 % doppelt so häufig an, dass sie sich während der Arbeit durch Hitze stark belastet fühlen. Insgesamt fühlen sich mehr als Dreiviertel der Pflegekräfte durch Hitze während der Arbeit belastet (76,9%) oder in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. (81,1%) Möglichkeiten zum Schutz lägen dabei vornehmlich in der Beschattung des Arbeitsplatzes (durch Rollos) , jedoch nicht durch häufigere, längere Pausen während der Mittagszeit.
Als Rahmenbedingung für die Möglichkeit des Hitzeschutzes in Gesundheitseinrichtungen kommt hinzu, dass Patient/innen auf das Angebot an Speisen und Getränken in den Einrichtungen angewiesen sind, um den Körper während heißer Temperaturen ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen. Ebenso nutzen die Mitarbeitenden oft das gleiche Speiseangebot. Der Verpflegung kommt im Sommer daher eine wichtige Rolle als Maßnahme der Hitzeanpassung zu, um veränderte Nahrungsbedürfnisse der Tischgäste bei Hitze zu erfüllen.

Sowohl die Abstrahlung von Wärme als auch die Verdunstung führen bei Hitze zu einem erhöhten Bedarf an Flüssigkeit und Elektrolyten, welcher durch die Ernährung ausgeglichen werden muss.
Fortsetzung des Blog- Artikels am 27.09.2026
