Anke Maelzer, Stefan Trenkel
Ernährungs Umschau |9/2024
Geschätzte 1 50 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind an Morbus Crohn erkrankt. Als Ersttherapie wird besonders bei dieser jüngeren Gruppe die Exklusive Enterale Ernährungstherapie (EEN) eingesetzt, bei der die jungen Patient/innen über 6-8 Wochen ausschließlich eine spezielle Trinknahrung zu sich nehmen.
Ursachen des Morbus Crohn
Die Ursachen des MC sind noch nicht komplett verstanden. Als gesichert gilt eine genetische Beteiligung: Eine familiäre Häufung zeigt sich bei 10% der Betroffenen, Verwandte ersten Grades haben ein mindestens 10 -fach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken.
Diverse Lebensstilfaktoren wie Stillen des Kindes, Hygiene, Rauchen, Medikamenteneinnahme (Antibiotika in der Kindheit) und insbesondere die Ernährung scheinen zusätzlich eine Rolle zu spielen. Unser heutiger westlicher Lifestyle erhöht das Risiko, MC zu entwickeln. Verschiedene Zusatzstoffe, wie Emulgatoren, gesättigte Fette, Carrageen oder Maltodextrin verursachten in Untersuchungen eine erhöhte Permeabilität (Durchlässigkeit einer Struktur -hier der Darmschleimhaut- für andere Stoffe)
Symptome
Heranwachsende zeigen häufig unspezifische Symptome:
• chronische Bauchschmerzen
•Durchfall
•Blut im Stuhl
•Gewichtstillstand/ Gewichtsverlust
•Wachstumsstörungen
•Ausbleiben der normalen Pubertätsentwicklung
•Fieber
•Anämie
•Leistungsknick
•Appetitlosigkeit
Behandlung des Morbus Crohn
Für die Behandlung des MC gibt es drei aktuelle Leitlinien: 1.Sturm et al. 2021: Aktualisierte S3- Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastrenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) 2. van Rheenen et al. 2020: The medical Management of pädiatrische Crohn‘s Disease: an ECCO-ESPGHAN guideline Update 3. Bischoff et al. 2023: ESPEN gudeline on clinical nutrition in inflammatory bowle disease.
Ballaststoffe und Präbiotika bei Morbus Crohn.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Ballaststoffaufnahme von 14,6g pro 1000 kcal aufgenommener Energie für die Altersgruppe der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen. Die tatsächliche Zufuhr liegt laut DGE zwischen 11,7 und 20g täglich bei Kindern und Jugendlichen und 19,8 bis 22,7g bei Erwachsenen. Patient/innen mit MC konsumieren deutlich weniger Ballaststoffe als empfohlen Dabei schwankt die Zufuhr in verschiedenen Studien zwischen 8,8 und 24g pro Tag.
Eine ballaststoffarme Ernährung vermindert die Gesamtzahl der Darmbakterien, die mikrobielle Diversität und damit die Produktion kurzkettiger Fettsäuren. Ein Ballaststoffmangel erhöht die Verbreitung schleimfressender Bakterien und vermindert damit die Schutzfunktion der Mukosa. Die Empfehlungen zur Ballaststoffzufuhr in der Remissionsphase belaufen sich auf bis zu 50 g am Tag. Allerdings werden gasproduzierende Lebensmittel von vielen Betroffenen schlecht vertragen. Bei Durchfall oder Verstopfungen werden explizit Flohsamenschalen zur ergänzenden Therapie empfohlen.
Präbiotika sind eine Untergruppe von Ballaststoffen. Zu den Präbiotika zählen Fructose-Oligosaccharide, Galacto-Oligosaccharide, Inulin und Galactane. Resistente Stärke gilt ebenso als Kandidat für ein Präbiotikum. Die Fermentation von Präbiotika und die damit verbundene Produktion organischer Säuren senken den pH – Wert im Colon. Das Wachstum gesundheitsfördernder Bakterien wird stimuliert.
Zusammenfassung
Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung des Gastrointestinaltraktes, welche eine lebenslange Behandlung benötigt. Dank moderner Medikamente und einer Ernährungstherapie kann die Erkrankung sehr gut behandelt werden, eine Heilung ist derzeit jedoch nicht möglich. Die Ursachen sind multifaktoriell, aber noch nicht anschließend bis ins Detail geklärt. Im Kindes – und Jugendalter gilt die Exklusive Enterale Ernährungstherapie als First Line Therapie, welche meist innerhalb von sechs bis acht Wochen zu einer Abheilung der entzündeten Mukosa führt. hierfür sollte eine Polymer Trinknahrung genutzt werden, welche entgegen früherer Meinungen nicht ballaststofffrei sein muss.


